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Preis der Fairness - von Pfarrer Stefan Buß
Eingegeben am: Donnerstag 01 August @ 17:11:30
verschiedene Themen Aus dem Hessen-Fußball Nr. 7/8 vom 01.08.2002 - gepostet von Heinz Schindler
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Vorbilder?
Eingegeben am: Mittwoch 03 April @ 20:40:27
verschiedene Themen

 Vorbilder?

HFV-Präsident Rolf Hocke im „Hessen-Fußball“ vom April 2002

Man sieht sie zunehmend häufiger: Trainer, die wie Rumpelstilzchen am Spielfeldrand herumspringen und ebenso lauthals wie gestenreich versuchen, Einfluss zu nehmen. Das allerdings weniger im Sinne einer positiven Entwicklung der Spielqualität, denn mit der Absicht, den Schiedsrichter und seine Assistenten auf die eigene Linie einzuschwören. Auch die Spieler sind in dieser Hinsicht alles andere als Waisenknaben. Zudem ist mir aufgefallen, dass besonders in der Bundesliga nicht nur der verbale, sondern auch der physische Umgang miteinander immer rauer wird. So manches, was als „leichte Berührung“ etikettiert wird, entpuppt sich als grobes und rücksichtsloses Foul. Die Gesundheit des Gegenspielers scheint uninteressant. Es geht, so scheint es, eindeutig darum, den Gegner außer Gefecht zu setzen. Im Profi-Fußball bedeutet dies: ihn arbeitsunfähig zu machen.

Dies ist eine äußerst bedenkliche Entwicklung, nicht nur aus Sicht dessen, den es getroffen hat. Ein solches Verhalten schadet dem gesamten Fußball und rückt ihn weit von seinem Ursprung weg, ein Sport zu sein. Von den negativen Auswirkungen im pädagogischen Bereich ganz abgesehen: Unter den Millionen Fußballfreunden, die Woche für Woche im Stadion und vor dem Fernsehgerät sitzen, befindet sich ein Heer von Kindern und Jugendlichen, die später auf dem Fußballplatz das nachahmen, was ihnen „ihre“ Stars vorexerziert haben. Wer auf dem Platz steht, sollte sich im Klaren darüber sein, dass er Vorbildfunktion hat und sollte deshalb in allen Situationen Fairness walten lassen.

Dies fordere ich auch von den Medien ein, wobei ich insbesondere an die Schiedsrichter denke. Es ist müßig, eine knappe Abseitsentscheidung aus fünf oder sechs Kamerapositionen zu beleuchten und eine Superzeitlupe hinterher zu schieben. Der Spielleiter hat weder die eine noch die andere und in der Regel steht er auch nicht dort, wo sich die Kamera befindet. Man urteilt hier unter ungleichen Voraussetzungen und übt so einen Druck aus, der nicht korrekt ist. Mit Sport hat das nicht mehr viel zu tun.

Quelle: Hessen-Fußball. Ausgabe April 2002.


Schlechte Vorbilder
Eingegeben am: Montag 01 April @ 14:06:40
verschiedene Themen Die Verrohung des Sports

von Christoph Albrecht-Heider

Frankfurter Rundschau vom 30.03.2002

Der Hooligan mag sich wundern. Das, wessen er gemeinhin angeklagt und verfolgt wird, beginnt sich dorthin zu verlagern, wo er im allgemeinen nicht hinkommt: auf den Platz. In der Champions League droschen Spieler von AS Rom und Galatasaray Istanbul aufeinander ein, in der griechischen Liga wimsten Klubvertreter von Panathinaikos Athen den Schiedsrichter zusammen. Vorfälle wie diese passieren zwar, seit es Sport gibt, auf Kreisliga-Plätzen zum Beispiel hat schon so mancher Referee nach dem Schlusspfiff Fersengeld geben müssen, aber Gewalt ohne Ball auf dem Rasen in den höchsten Klassen hatte Seltenheitswert.

Es passt durchaus ins große Bild, dass der teuerste Kampf der Boxgeschichte nur unter Teilnahme eines Protagonisten zu Stande kommt, der nicht etwa "nur" wegen Gewalttätigkeit vorbestraft ist, sondern auch Gegner – einmal im Ring Evander Holyfield, einmal in der Pressekonferenz Lennox Lewis – gebissen hat. Mike Tyson tat das – und Mike Tyson macht Schule. Das Geifern während der Pressekonferenzen, die einem Boxkampf vorgeschaltet sind, verschärft sich, Handgreiflichkeiten der Kontrahenten in zivil gar werden, weil es die Publicity steigert, inszeniert, ja vielleicht glauben einige Schläger sogar wirklich, den Kampf vor dem Kampf zu führen, gehöre inzwischen zum gewöhnlichen Ballyhoo.

Eine rüpelhafte Fahrweise, namentlich in der Formel 1, wird von vielen als notwendige Maxime potentieller Sieger akzeptiert. Nur wer, so die Wettbewerbslogik, den Unfall nicht scheut – und die heute geltenden Sicherheitsvorkehrungen lassen die Folgen berechenbar erscheinen -,hat Erfolgschancen.

Ein mieser Stil

Der Verhaltensauffälligkeit gehen Veränderungen im Ton voran. Sich über glasklare Entscheidungen des Schiedsrichters laut zu beschweren, begreifen Spieler offenbar nicht als Ungehörigkeit. Sie werden ermuntert zu solchem Tun von jenen ihrer Parteivertreter auf der Bank, die, kaum dass der Unparteiische gepfiffen hat, wütend zum Assistenten rennen, um sich zu beschweren. Die Szene, um die es geht, hat der Krakeeler meist nicht mal genau gesehen. Er führt einfach nur Klage, weil es gegen seine Interessen geht. Und so macht es der Spieler dann auch. Der Einfluss des Fernsehens ist unselig. So wie die Menschen von allen Nachrichtenüberbringern den Ansagern der Tagesschau am meisten glauben, so scheinen Verhaltensmuster dann geadelt, wenn sie auf dem Bildschirm in Wiederholung zu sehen gewesen sind.

Dem Muster folgen die nachmittäglichen Radau-Formate, die fälschlicherweise noch zur Gattung Talkshow gerechnet werden, obwohl doch ihr Inhalt mit "Hier pöbelt der Pöbel" zusammengefasst ist. Je mehr solche Sendungen laufen, umso alltäglicher scheint der Ton, in dem dort geredet wird.

..."Trash talk" sagen sie in der NBA zu der Unsitte, während des Spiels permanent den Kontrahenten zu beleidigen.

Die Verrohung des Sports hat viele Facetten. Der Hinweis, es spiegele sich darin doch nur eine allgemeine Tendenz wider oder: Jede Gesellschaft hat den Sport, den sie verdient, ist wohlfeil und nicht weiterführend.

Die Frage, ob Profis Vorbilder für die Jugend (und die Erwachsenen) sein sollten, ist müßig. Sie sind es. Sie sind es im wahrsten Sinne des Wortes durch ihre ständige Anwesenheit auf Zeitungsseiten und Bildschirmen, derzeit sehr oft im Schlechten, aber sie könnten es auch im Guten sein.

Quelle: Frankfurter Rundschau vom 30.03.2002


Fairness von oben nach unten
Eingegeben am: Samstag 16 März @ 19:33:22
verschiedene Themen Nicht jeden und alles können Trainer, Funktionäre und Führungsfiguren jederzeit beliebig steuern und kontrollieren. Sie tragen jedoch Verantwortung für die Art von Signalen, die sie geben. So wie die "großen" Fußballer für die Kleinen als Vorbilder richtungsweisend sind, so sind es Trainer für ihre Mannschaften.

In Premiere Sport am 16.03.2002 brachten es Studiogast Franz Beckenbauer und Reporter Marcel Reif auf den Punkt. Die erste Hälfte der Bundesligabegegnung 1.FC Kaiserslautern – FC Bayern (0:0) wurde nach dem Motto "Wir-treten-auf-alles-was-sich-bewegt" geführt, mit Dutzenden übler und hinterhältiger Fouls und brutaler Attacken Marke "versuchte Körperverletzung" , die Heraufbeschwörung einer bösartige Stadionatmoshäre inclusive.

"Wenn man vorher immer von Aggression spricht, braucht man sich über eine solche Entwicklung nicht zu wundern", merkte Franz Beckenbauer an. "Nicht ‚wir müssen aggressiver ins Spiel gehen’, sondern ‚wir müssen engagierter ins Spiel gehen’ müsste es heissen", ergänzte Marcel Reif treffend.

Dann die spannende Gretchenfrage des Reporters Reif: "Was sagt man seinen Spielern in der Pause, wenn es doch um soviel geht? Sollen sie dagegenhalten mit gleichen Mitteln oder zurückziehen? Im letzteren Fall gibt es in so einem Spiel wohl nicht viel zu ernten."

Aufgepasst, alle Fußballbetreuer, die für Fairness einstehen und trotzdem erfolgreich und mit Chancengleichheit spielen möchten, denn Kaiser Franz fand eine überzeugende Antwort: "Eigentlich müssten sich jetzt die beiden Trainer unter vier Augen verständigen und eine fairere Gangart vereinbaren, die die Gesundheit der Berufskollegen respektiert. Jeder müsste in seine eigene Mannschaft hineinwirken, Fußball zu spielen statt Fußball zu treten."

Festzuhalten gilt: es wurde in diesem Spiel von sogenannten Vorbildern und zwar von Trainern und Spielern gleichermaßen versäumt zu zeigen, dass man es mit der Fairness ernst meint und ernst zu machen bereit ist, wenn es darauf ankommt. So wird auch die Glaubwürdigkeit entsprechender Lippenbekenntnisse und Kampagnen, Poster und TV-Spots beschädigt, von wegen und "Fair geht vor...".

Gut, dass sich die Medienvertreter nicht in die Konfrontation hineinziehen ließen sondern die Übersicht behielten, bis zu welchem Punkt es um Rot gegen Weiß ging und ab wann direkt unter die Gürtellinie!